Männer und ihre Maschinen

„Glänzender Edelstahl, archaisch anmutende Bedienelemente, funktionale Ästhetik.“ Was sich anhört wie eine leidenschaftliche Beschreibung eines neuen Sportwagens, ist einem Blog über Espressomaschinen entnommen. Hier geht es klar um mehr als schnödes Kaffee kochen.

Als Erfinder der Espressomaschine gilt der Italiener Luigi Bezzera, der 1901 den ersten Kaffeeautomaten zusammenbastelte. Die Künstler an der Maschine nennen sich „Barista“. Zu den Liebhabern der italienischen Brühkunst in Osnabrück zählt sich Maikel Lemke vom Il Paradiso: „Ich habe mir 1998 meine erste Espressomaschine zugelegt, weil es in Osnabrück keinen Espresso gab, wie ich ihn aus Italien gewöhnt war.“

Maikel Lemke

„Für einen richtig guten Espresso geht man am besten in die Bar“ Maikel Lemke

 

Noch schneller war Stephan Stohl von der Remise: „Das war 1995. Ich brauchte eine Maschine für meine damalige mobile Cocktailbar.“ In der Remise steht heute eine Dalla Corte: „Das ist eine sehr junge Firma. Bruno Dalla Corte hat früher als Techniker bei der italienischen Traditionsfirma Faema das System E61 mitentwickelt“, berichtet Stohl, der sich nicht als Espresso-Dogmatiker versteht: „Unterm Strich geht es darum, etwas Genussvolles zu produzieren. Auf das Ergebnis kommt es an. Und das kann ein Vollautomat nicht leisten.“

Stephan Stohl

„Es geht darum, etwas Genussvolles zu produzieren“ Stephan Stohl

 

Auch für Maikel Lemke kommen nur Hebelmaschinen in Frage: „Wir sind schließlich Profis und keine Hobbyisten.“ Mit seiner dreigruppigen Hebelmaschine der Firma Izzo aus Neapel, Modell Pompei, bereitet Lemke Estados Cafe aus der Emiglia Romana an der Adria und weitere Produkte zu: „Mit der Hebelmaschine kann ich die Bohnen viel feiner mahlen. Dadurch können sich die Aromen besser entfalten.“

José Peral

„Ein viertel des anschaffungspreises sollte für die Mühle ausgegeben werden“ José Manuel Peral

Aus Spanien importierte Expobar-Maschinen sind bei „Peral Weine und Delikatessen“ von José Manuel Peral, der Filiale in Ostercappeln und in verschiedenen Osnabrücker Bars wie dem Pferde haben keine Flügel, dem Cafe Solo, dem Nil und dem Heimlich im Einsatz. Besonders beliebt ist karamellisierter Kaffee. Des weiteren im Angebot: Cafe con leche und Cortado, ein Espresso mit etwas Milch, vergleichbar einem italienischen Espresso Macchiato. Privat brüht Inhaber José Manuel Peral ebenfalls mit einer Expobar, Model Office Faema 61: „Eine Maschine mit dem Brühkopf der legendären Faema 61 und reinem Handbetrieb.“

Bei der Frage nach dem Preisniveau der Maschinen für privaten Gebrauch gehen die Meinungen der Baristi auseinander: „Anständige Espressomaschinen mit Pads gibt es schon ab 200 Euro. Die machen mittlerweile einen super Kaffee,“ meint Maikel Lemke. „Es gibt viele Vorteile: immer frischer Kaffee, relativ kleine Maschine, keine Sauerei mit herumfliegendem Pulver. Dazu einen Milchaufschäumer und Erhitzer für 60 Euro, und der Cappuccino klappt.“ José Manuel Peral meint: „Bei Halbautomaten müssen wohl 800 Euro investiert werden. Neben einem Statussymbol hat man dann auch Qualität mit Wiederverkaufswert. Ein Viertel des Preises sollte für die Mühle ausgegeben werden.“

Ähnlich sieht es Stephan Stohl: „Unter 1.000 Euro gibt es keine vernünftige Espressomaschine. Mit billigeren Geräten kann man einen guten Milchkaffee machen, aber keinen Espresso.“ Stohl bietet in der Remise Espresso, Cappuccino, Latte Macchiato, Cortado, Corretto und Carajillo an. Und auch Maikel Lemke sagt: „Für einen richtig guten italienischen Espresso geht man am besten in die Bar.“

MALTE SCHIPPER | FOTOS: FILIJO/FOTOLIA.COM, JUDITH KANTNER

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